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Grundvoraussetzungen für das Entstehen von STAR TREK

 

In einem kann man sich von Anfang an sicher sein: STAR TREK ist Science Fiction. Doch STAR TREK war seit Beginn der Serie eine andere Art von Science Fiction als es die Zuschauer bisher gewohnt waren. Es gab zwar immer noch Helden, diese hatten jedoch auch Ecken und Kanten, besaßen eigene Gefühle, waren sowohl psychisch als auch physisch verletzbar - kurz diese Helden waren keine Übermenschen und daher ideale Identifikationsfiguren. Wie kam es, daß sich eine Serie wie STAR TREK innerhalb der Science Fiction überhaupt entwickeln konnte?

Eigentlich ist Science Fiction die Geschichte der menschlichen Angst vor dem Übermenschen. Wir alle wissen zwar, daß der Mensch als die Krone der Schöpfung gilt, aber wir wissen auch, daß die Evolution immer voranschreitet und wenn nicht hier bei uns auf der Erde, dann vielleicht nebenan auf Proxima Centauri. Daher ist Science Fiction der Versuch des Menschen, damit fertig zu werden, daß immer irgend jemand mächtiger, intelligenter sein könnte als er selbst. Und ist ein Alien denn nichts anderes als die Widerspiegelung eines Übermenschen - also die Manifestation der menschlichen Angst?

Science Fiction Filme versuchen seit jeher unsere menschliche Gesellschaft zu überzeichnen und damit anzuprangern. Sie sind somit Seismographen unserer Gesellschaft, denn sie registrieren die Signale unserer Gesellschaft, unserer Hoffnungen und Wünsche sowie unserer Ängste und paranoiden Gedanken.

"Utopie" hatte seit Thomas Moores (1516) eigentlich immer einen politischen und aufgrund der damaligen politischen Systeme zwangsläufig auch sozialistischen und sozialwissenschaftlichen Hintergrund.

Richard Gerber hat in seinem 1955 erschienen Buch "Utopian Fantasy" den Begriff der Utopie als "ausgehend von einem humanistischen, wissenschaftsgläubigen und rationalistischen Charakter der klassischen Utopien" definiert. Er bezeichnet den Begriff der Utopie als "wissenschaftlichen Humanismus", der vor allem in den utopisch-philosophischen Werken von Julian Huxley zu finden ist und eine optimistische Deutung der Utopie darstellt.

Erst durch die weltweite Expansion der amerikanischen Unterhaltungsindustrie und der dortigen "Science-Fiction" genannten utopischen Romane und Geschichten wurde die traditionelle Utopie trivialisiert und zur Science Fiction umgewandelt. Das Science Fiction Genre hatte zwar noch Schreckensbilder als Hintergrund, die eigentliche sozialkritisch-utopische Intention von Utopia ging jedoch häufig verloren.

Der Soziologe Martin Schwonke sieht das Science Fiction Genre als legitimen Nachfolger der utopischen Romane, wobei auch er zu bedenken gibt, daß das amerikanisch Science Fiction Genre häufig durch minderklassige Produkte auffalle, die er aufgrund der "ästhetischen Differenz" als "Trivialliteratur" bezeichnet.

Science Fiction habe unterschiedliche Strömungen meint Schwonke. So sei auf der einen Seite "der humanistisch-diesseitige, zukunftsgerichtete, wissenschaftsorientierte und somit endlich revolutionäre Weg" zu finden, wohingegen auf der anderen Seite "ein religiös-eschatologischer, nach Arkadien oder ins Mittelalter zurückblickender, vernunft- und technikfeindlicher somit auch häufig konservativer Weg" zu sehen sei. Somit begrenzt er den Utopie- und Science Fiction Begriff im Grunde auf eine gewisse Wissenschaftsgläubigkeit der aber auch häufig mit einer Entpolitisierung der Utopie gepaart ist - gleichzeitig schafft er aber auch mit dem Hauptmerkmal der Technikfeindlichkeit ein gegenutopisches Denken, schafft eine Anti-Utopie deren wichtigste Züge "ein Apparat mit wachsender Macht" und die "Erschöpfung des irdischen Expansionsraumes" sind.

Der Soziologe H.-J. Krysmanski will hingegen auf reine Denkmöglichkeiten hinaus und meint, diese in der amerikanischen Science Fiction Literatur zu finden. Sciene Fiction stehe für ihn "in keiner echten europäischen geistesgeschichtlichen Tradition" zu Utopia sondern sei eine "naturwissenschaftliche Literatur". In seinem Werk "Die utopische Methode" (1963) sagt er dazu auf Seite 89 f.:

  • "Die Science Fiction stößt gewissermaßen als kommentierender Hofnarr und manchmal sogar Hofphilosoph gemeinsam mit den Naturwissenschaften bis an deren Grenzen vor".
  • Die Naturwissenschaft gilt im Science Fiction Genre als Zerstörerin der alten Autoritäten, was bedeutet, daß alles, was bisher als "gottgewollt" eine gewisse Macht ausgeübt hat, durch die Kraft der Naturwissenschaft entmachtet werden kann. Die Naturwissenschaft wird somit zu einem universellen Maßstab für die Richtigkeit von Weltanschauungen und Herrschaftssystemen.

    Im Gegenzug zur Utopie entstand natürlich auch die Anti-Utopie. Die Anti-Utopie wird auch als Verzerrung des Bestehenden zum Schreckbild bezeichnet, wobei sich häufig Gegenwartskritik mit Rechtfertigungsideologie vermischt. Als bestes Beispiel hierfür gilt George Orwells "Nineteen Eighty-Four", wo echte Sozialkritik mit einer Utopiekritik vermischt wird. Anti-Utopie ist eigentlich immer der Versuch, politischen Terror durch ethisch-humanitär begründete Proteste zu bekämpfen. Die Vervollkommnung des Vollkommenen ist in der Anti-Utopie mit einem Fehler behaftet, der meist von nur einem Außenstehenden korrigiert werden kann. Somit können Science Fiction Romane der Anti-Utopie laut Isaac Deutscher auch als "ideologische Superwaffen" gegen ein bestimmtes Gesellschaftssystem fungieren.

    Gesellschaftliche Züge, die ein fast grenzenloses Vertrauen in Wissenschaft und Technik zeigen, werden meist als faschistoid bezeichnet, so Robert A. Heinlein. Innerhalb eines aufklärerisch-utopischen Zusammenhangs, zum Beispiel in der "normalen" Science Fiction, gehen jedoch diese Züge verloren und haben nichts Negatives mehr an sich, erwidert hierzu Martin Schäfer. Dieses könnte erklären, wieso gerade diese Art der Science Fiction in der Sowjetunion so beliebt war und gefördert wurde: "Eine Haltung, die Zukunftsangst verhindert und den Wert des Wissens hochhält, beflügelt Menschen; somit ist sie keineswegs einfach faschistoid." Natürlich muß aus heutiger Sicht hinterfragt werden, was der Autor dieses Textes, Martin Schäfer, meinte, als er dieses 1977 schrieb, denn mit dem mittlerweile bekannten Hintergrundwissen zur Sowjetunion ist festzustellen, daß das Sowjetsystem sehrwohl faschistoide Züge trug und daher gewillt war, eine mit faschistoiden Zügen behaftete Science Fiction zu tolerieren.

    Science Fiction ist natürlich auch immer der Versuch, Gesellschaftsprognosen aufzubauen. Indem neue Welten und politische Gedankengebilde erdacht werden, kann eine mögliche Zukunft durchdacht und eventuell auch vor ihrer Errichtung gewarnt werden. Das hierfür maßgebliche Beispiel ist immer wieder George Orwells Werk "1984", welches die Angst vor einem totalitären Überwachungsstaat in den Lesern wachhielt. Daß unsere Gesellschaft heutzutage bei jeder Transaktion, sei es bei Telephonaten, Autofahrten oder Änderungen der Adresse, überwacht wird, ist keine Frage, es hätte ohne Orwells Ideen aber auch schlimmer kommen können.

    Die Gesellschaftsprognose, die Gene Roddenberry für seine STAR TREK Welt erdachte, ist imgrunde eine gute Prognose, denn in dieser Welt des 23. und 24. Jahrhunderts ist die Grundlage menschlicher Handlungen von durchweg positivem Humanismus geprägt. Um jedoch hierüber und über den Inhalt der Serie sowie ihre Auswirkungen weiter sprechen zu können, ist es nötig, die Hauptcharaktere des roddenberryschen STAR TREK Universums, bestehend aus den Serien von STAR TREK Classic und von STAR TREK - The Next Generation, kurz vorzustellen.

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